GIER MACHT KRIEG - Mahnwache am Karfreitag
Gier. Macht. Krieg. - Karfreitagsmahnwache 2012
Im Folgenden dokumentieren wir einige Reden der Mahnwache. Es gilt das gesprochene Wort. Zwischen den Reden finden Sie Bilder der Veranstaltung. Vielen Dank an alle Beteiligten.
Veranstaltungsplakat 2012
Ralph Lange, Biberacher Friedensbündnis
Gier. Macht. Krieg
lautet das Motto unserer heutigen Karfreitagsmahnwache. Gier Macht Krieg. Ein Wortspiel.
Gier als das Begehren eines Menschen nach etwas. Gier nach Besitz, Reichtum, Macht. Die Habgier zählt bei vielen Christen zu den sieben Todsünden, aber auch in anderen Kulturkreisen wird die Gier moralisch verurteilt.
Macht. Macht ist die Verfügungsgewalt über Ressourcen. Ich kann Macht ausüben, indem ich Ihr Leben oder das Leben Ihrer Familie bedrohe. Noch mehr Macht habe ich, wenn ich über Waffen verfüge, die ganze Erdteile auslöschen oder gar die Erde zerstören kann. Ich kann Macht ausüben, indem ich über Bodenschätze oder knappe Ressourcen wie Wasser verfüge. Ich kann Macht ausüben, indem ich Handel oder Handelswege kontrolliere.
Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt – so das Onlinelexikon Wikipedia. Durch Krieg kann Macht gesichert, Macht erreicht oder verloren werden. Krieg vernichtet aber immer Ressourcen, unwiederbringlich. Krieg tötet Menschen, Männer, Frauen und Kinder. Krieg zerstört unsere Umwelt und auch die Lebensgrundlagen von Menschen. Krieg vernichtet auch Kapital und Wohlstand.
Doch macht Gier auch Krieg? Diese Frage lässt sich nicht einfach beantworten. Krieg hat viele Ursachen. Gier gehört sicher dazu. Gier nach Macht auch. Ich möchte heute den Blick allerdings nur auf einen Aspekt lenken. Dieser Aspekt gehört seit langem zu den Kernthemen der Friedensbewegung des 20. und 21. Jahrhunderts. Den Aspekt des Profits am Krieg. Wie nach einem Mord müssen wir uns immer wieder fragen: Wer profitiert denn vom Krieg? Zum einen natürlich der oder die vermeintlichen Gewinner. Zum anderen gibt es aber finanzielle Profiteure. Der unscheinbare Dritte ist die Rüstungsindustrie. Das Geschäft blüht wie nie zuvor.
Der weltweite Waffenhandel wuchs in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Viertel, so das renommierte Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI in ihrem am 19. März vorgelegten Report. Die hundert größten Rüstungskonzerne weltweit haben ihre Geschäfte im Jahr 2010 wieder steigern können. Ihr Umsatz beim Verkauf von Waffen und anderer Militärausrüstung stieg um ein Prozent auf 310 Milliarden Euro. Die weltweiten Ausgaben für Rüstung betrugen 2010 ca. 1.240 Milliarden Euro. Ich muss zugeben, dass ich mit hohen Zahlen wie diesen meine Probleme habe. Vergleiche helfen mir beim Verständnis. Vielleicht auch Ihnen? Jeder der 82 Millionen Bundesbürger, vom Baby bis zum Greis, gibt jährlich über 15.000 Euro für Rüstung aus. Im Jahr 2010 betrug die gesamte Staatsverschuldung Griechenlands rund 329 Milliarden Euro. Der Soziologe Jean Ziegler schätzt, dass ca. 63 Milliarden Euro ausreichen müssten, um den Hunger weltweit erfolgreich zu bekämpfen. Es ist eine Schande, meine Damen und Herren, solche Unsummen für totes oder todbringendes Kapital wie Rüstung zu verschwenden.
Wussten Sie, dass Deutschland der drittgrößte Exporteur und Europameister beim Rüstungsexport ist? Im Jahr 2010 hat Deutschland mit dem Export von Waffen und Rüstungsgütern so viel Geld eingenommen wie noch nie. Nach Angaben des Rüstungsexportberichts beläuft sich der Wert der tatsächlich ausgeführten Kriegsgüter auf rund zwei Milliarden Euro. Das bedeutet eine Steigerung um knapp 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2009.
Weltweit wurden Waffen „Made in Germany“ an 63 Länder verkauft, die wichtigsten Absatzmärkte waren Griechenland, Südkorea und Südafrika. Der Rüstungshandel ist globalisiert. Große Abnehmer sind NATO-Staaten. Den Löwenanteil davon machen traditionell die Türkei oder Griechenland aus. Sie haben richtig gehört: Das hochverschuldete Griechenland ist einer der Hauptabnehmer unserer Rüstungsgüter. Wir versorgen es gerne mit Waffen, denn Griechenland muss sich vor unserem Abnehmer und Nato-Partner Türkei schützen. Der Militäretat Athens ist prozentual zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerechnet doppelt so hoch wie im Rest der EU, und dennoch werden weiter Waffen geordert. Da gibt es für Käufe keine Einschränkungen, während gleichzeitig im Mutterland der Demokratie Löhne und Renten gesenkt werden.
Aber auch Golf-Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien gehören zu unseren Stammkunden. In Saudi-Arabien wird beispielsweise eine deutsche Sturmgewehrfabrik gebaut. Außerdem werden Leopard-Panzer dorthin verschifft. Diese Panzer können schon rein geografisch nicht gegen den Iran eingesetzt werden, wohl aber gegen Israel, gegen Aufstände in Nachbarstaaten wie Bahrain und – dem Bautyp nach – gegen die eigene Bevölkerung.
Gegen Zivilisten sind auch die Sturmgewehre, etwa die Produkte von Heckler & Koch, bestens einzusetzen. Jede Minute stirbt ein Mensch an den Folgen einer Gewehrkugel, einer Handgranate oder einer Landmine. Fachleute schätzen, dass alleine durch Gewehre und Pistolen der Waffenschmiede Heckler & Koch nach dem Zweiten Weltkrieg weit mehr als eine Million Menschen ihr Leben verloren haben. Weitere ungezählte Kriegsopfer sind durch die vielen anderen waffenexportierenden deutschen Unternehmen zu beklagen. Gewehre sind die Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts.
Wenn Sie und ich bislang dachten, dass Waffen nicht in Spannungsgebiete exportiert werden dürfen, dann ist das ein weitverbreiteter Irrtum. So haben deutsche Firmen im vorletzten Jahr für 97 Millionen Euro Waffen nach Indien geliefert und für die gleiche Summe nach Pakistan. Denn Fragen wie Menschenrechte oder militärische Spannungen müssen gegen außen- und sicherheitspolitische Interessen abgewogen werden. Bei der Abwägung fehlt freilich der Aspekt des wirtschaftspolitischen Interesses. Geld mit Rüstung verdienen viele gerne – nur geben sie das ungern zu.
Seit über einem Jahr gibt es in der Bundesrepublik die „Aktion Aufschrei – stoppt den Waffenhandel!“. Die Aktion, die von zahlreichen Friedensorganisationen mit getragen wird, plant eine Klarstellung des Grundgesetzartikels 26 (2) Er soll in Zukunft lauten: „Kriegswaffen und Rüstungsgüter werden grundsätzlich nicht exportiert. Das Nähere regelt das Rüstungsexportgesetz.“
Um den Opfern Stimme zu geben, plant die Aktion Aufschrei Vortragsveranstaltungen - Zeugenreisen - mit Menschen, die aus eigenem Erleben berichten, was mit Waffen aus deutscher Produktion u. a. in Menschenrechte verletzenden Ländern angerichtet wird.
Doch nicht nur den Opfern, auch den Tätern soll Name und Gesicht gegeben werden. Wo werden in Deutschland Waffen produziert? Welche Manager leiten die Unternehmen? Wem gehören sie? Wer sind die zahlreichen Lobbyisten mit ihren Organisationen? Wer sind die Unterstützer in Politik, Wirtschaft und Kultur? Profitgier macht Krieg. Immer noch gilt der alte Slogan der Friedensbewegung „deutsche Waffen, deutsches Geld – morden mit in aller Welt“.
Ich bin der festen Überzeugung, dass auch wir im Kreis Biberach die Aktion Aufschrei unterstützen sollten. Das Biberacher Friedensbündnis wird sich auch weiterhin in diesem Sinne in die Politik einmischen. Unterstützen auch Sie unser Tun, mischen auch Sie sich ein.
Ich schließe deshalb mit einem Appell von Prof. Dr. Margot Käßmann, Schirmherrin der Kampagne Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! : „Unsere Volkswirtschaft profitiert von der Gewalt und den Kriegen, die wir beklagen. Die Friedensbewegung und die Kirchen können angesichts dieser furchtbaren Situation nicht schweigen.“
Vielen Dank.
Bilder der Veranstaltung
Lucia Braß, Deutsche Pfadfinderschaft St.Georg
Aus dem Buch des Propheten Ezechiel (18, 5.7-9):
Ist jemand gerecht, so handelt er nach Recht und Gerechtigkeit. Er unterdrückt niemand. Er gibt dem Schuldner das Pfand zurück. Er begeht keinen Raub. Dem Hungrigen gibt er von seinem Brot und den Nackten bekleidet er. Er leiht nicht gegen Zins und treibt keinen Wucher. Er hält seine Hand vom Unrecht fern. Zwischen Streitenden fällt er ein gerechtes Urteil. Er lebt nach meinen Gesetzen, er achtet auf meine Rechtsvorschriften und befolgt sie treu. Er ist gerecht und deshalb wird er am Leben bleiben – Spruch Gottes, des Herrn.
Ezechiel gibt hier ein klares und deutliches Wort Gottes wieder. Es geht hier um die Bewahrung des Lebens und der ganzen Schöpfung. Bei uns geht es heute um Gier, Macht und Krieg, um das rücksichtslose Vorgehen gegen die Schöpfung und um Spekulationen mit den Hungernden der Welt.
Gier macht Krieg. In den vergangenen Jahren haben ausländische Investoren allein in Afrika inzwischen fast 30 Millionen Hektar Ackerland aufgekauft oder gepachtet, weltweit fast 47 Millionen Hektar. Während die lokale Bevölkerung an Hunger leidet, produzieren die Investoren Nahrungsmittel und Energiepflanzen für den Export oder nutzen fruchtbaren Boden als Spekulationsobjekt. Die oft korrupten Regierungen, die sowieso schon mit den großen Firmen paktieren, kennen keine Hemmungen die Kleinbauern zu enteignen und sich die Einnahmen in die eigene Tasche zu stecken. Da die Firmen ihre eigenen Arbeiter gleich mitbringen, verlieren die Bauern vor Ort ihre Existenz.
Die Weltbank spricht hier von der „Wiederentdeckung der Agrarwirtschaft“, andere nennen das „landgrabbing“ oder schlicht „Landraub“. Auch deutsche Investmentfonds sind daran beteiligt. Auf einer Fläche, die inzwischen der von ganz Schweden entspricht, werden Monokulturen angebaut, die nur durch den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln und dem massiven Verbrauch von Wasser möglich sind. Hier ist bereits von „water-grabbing“ die Rede, dem Grabschen oder Krallen nach Wasser. Die meisten dieser Flächen befinden sich in Staaten der Subsahara. In Ländern, in denen wieder Millionen von Menschen vom Hunger bedroht sind, kann man das nur als geradezu obszön bezeichnen.
In solchen Ländern sollte die Ernährungssicherheit absolute Priorität genießen. Die Gier nach immer mehr und immer billigeren Nahrungsmitteln in den Industrieländern fordert vor Ort Opfer - des Hungers, des Wassermangels und der sozialen Unruhen. Gier macht Krieg.
An einem Tag wie heute, an dem sich Jesus Christus am Kreuz für uns hingegeben hat, müssen wir als Christinnen und Christen Gesicht zeigen und uns einsetzen für die Geschundenen dieser Welt. Ihr Leiden dort darf uns hier nicht kalt lassen. Unsere Solidarität ist gefordert, gerade angesichts der Tatsache, dass diesen Menschen von klein auf das Kreuz eines unmenschlichen Lebens auferlegt ist.
Wir dürfen ihre stummen Schreie nicht überhören und wir können es einfach nicht zulassen, dass die Gierigen, die Mächtigen und die Kriegstreiber dieser Welt die Schöpfung meistbietend verschleudern.
CREDO für die Erde - Dorothee Sölle
Credo für die Erde
Ich glaube an Gottes gute Schöpfung die Erde
sie ist heilig
gestern heute und morgen
Taste sie nicht an
Sie gehört nicht dir
Und keinem Konzern
Wir besitzen sie nicht wie ein Ding
Das man kauft benutzt und wegwirft
Sie gehört einem anderen
Was könnten wir von Gott wissen
Ohne sie unsere Mutter
Wie könnten wir von Gott reden
Ohne die Blumen die Gott loben
Ohne den Wind und das Wasser
Die im Rauschen von ihm erzählen
Wie könnten wir Gott lieben
Ohne von unserer Mutter
Das Hüten zu lernen und das Bewahren
Ich glaube an Gottes gute Schöpfung die Erde
Sie ist für alle da nicht nur für die Reichen
Sie ist heilig
Jedes einzelne Blatt
Das Meer und das Land
Das Licht und die Finsternis
Das Geborenwerden und das Sterben
Alle singen das Lied der Erde
Lasst uns nicht einen Tag leben
Und sie vergessen
Wir wollen ihren Rhythmus bewahren
Und ihr Glück leuchten lassen
Sie beschützen vor Habsucht und Herrschsucht
Weil sie heilig ist
Können wir suchtfrei werden
Weil sie heilig ist
Lernen wir das Heilen
Ich glaube an Gottes gute Schöpfung die Erde
Sie ist heilig
Gestern heute und morgen
Dorothee Sauer, Pfarrerin
Gier Macht Krieg – Macht Krieg Gier? Krieg Macht Gier.
Mit diesen drei Worten lässt sich spielen. Und alle Kombinationen ergeben einen Sinn. Doch was Gier, Macht und Krieg tagtäglich auf unserer Erde anrichten ist kein Spiel. Ganz und gar nicht. Es ist bittre Realität an vielen Orten der Erde, zu vielen.
Krieg ist ein einträgliches Geschäft. Fleißig wurden und werden auch von deutschen Firmen Waffen in Krisen- und Konfliktgebiete verkauft. In Libyen, Tunesien, Syrien und Ägypten dienten sie den alten Machthabern dazu die Aufstände niederzuknüppeln.
Die Gier nach Reichtum begegnet uns jeden Tag. Alle wollen immer mehr haben. Die Grenzen zu den armen Ländern werden dicht gemacht, Europa baut seine Festung aus. Von unserem Wohlstand hier darf niemand etwas abhaben. Wir wollen aber umgekehrt sehr wohl etwas von euren Rohstoffen haben.
Immer noch wird weiter von Wachstum geredet, so als ob es unendliche Möglichkeiten des Wachstums hier auf der Erde gäbe. Woher sollen die Ressourcen dafür kommen? Schon jetzt werden um Öl, Coltan, seltene Erden und andere wichtige Rohstoffe Kriege geführt.
Und Macht wird dazu missbraucht, die eigenen Interessen durchzusetzen. Diktatoren beuten ihr Volk aus, begünstigen ihre Anhänger, nehmen sich was sie wollen. Macht wird eingesetzt, um die eigene Gier zu befriedigen, um Kriege zu legitimieren, um andere zu unterdrücken.
Die Liste der Klagen und Anklagen ist lang und könnte noch endlos weiter geführt werden. Die Klage und die Anklage, aber auch die Trauer und die Traurigkeit gehören zu diesem Tag heute.
Christinnen und Christen begehen an diesem Tag den Karfreitag, den Tag, an dem Gott sich in Jesus Christus ans Kreuz nageln ließ, stellvertretend für die geschundene Menschheit, für die geschundene Schöpfung, als Gegenbild, als einer, der auf der Seite der Entrechteten steht, als einer, der auf der Seite derer steht, die keine Lobby haben und keine Stimme. Dieser Tag hält uns auch den Spiegel vor, er zeigt uns, wozu wir Menschen fähig sind.
Doch dabei soll es nicht bleiben, wir blicken bereits jetzt auf Ostern. So wird uns dieser Tag, Karfreitag, zur Herausforderung und zur Aufgabe. Auch wir sollen auf der Seite derer stehen, die keine Stimme haben, und ihnen unsere Stimme geben. Und die Botschaft dieses Tages, die Botschaft der Bibel ist für Christinnen und Christen klar:
Gier wird verurteilt und Gerechtigkeit an die erste Stelle gesetzt. Für Christinnen und Christen heißt es in der Bibel im Brief des Jakobus (aus Jak 3+4): „Wo Neid und gemeinschaftsschädigender Ehrgeiz das Handeln bestimmen, da gibt es ein großes Durcheinander und jede schändliche Tat, die man sich nur vorstellen kann.“ Und Jakobus fragt. „Woher kommen denn Kämpfe und Streitereien unter euch? Doch von eurer Gier, die euch und eure Fähigkeiten benutzt, damit ihr einander bekriegt.“ Und er ruft uns auf: „Doch die Frucht der Gerechtigkeit wird dagegen gesät in Frieden für die, die Frieden stiften.“
Auch Krieg wird verurteilt. Dagegen stellen wir Friede und die Bewahrung der Schöpfung, das ist unser Programm. Ein Programm, das uns die Richtung vorgibt und uns auch verbindet mit Menschen anderer Religionen, die dasselbe Ziel haben, Menschen muslimischen und jüdischen Glaubens, und alle, die sich für Frieden einsetzen.
Friede, das bedeutet:
Frieden in Gemeinschaft - wir sind gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art
Friede mit der Erde - wir werden nicht müde uns gegen Atomkraft aufzulehnen, zu fordern, dass die CO2-Emissionen verringert werden.
Friede in der Wirtschaft - wir lehnen uns auf gegen strukturelle Gewalt und die scheinbare Eigenlogik der Wirtschaftssysteme. Sie alle sind von Menschen gemacht.
Friede zwischen den Völkern - Gewalt ist keine Lösung, um Konflikten zu begegnen. Wir machen uns auf den Weg aufeinander zu, miteinander, nicht gegeneinander.
Friede zwischen den Religionen - wir suchen das, was uns verbindet und stärkt, der Glaube an den einen Gott, der Frieden für alle will. Wir lassen uns nicht auseinander bringen.
Macht ist letztlich nur dann in guter Weise eingesetzt, wenn sie dazu dient andere zu ermächtigen. Wer Macht hat, soll sie abgeben und weitergeben. In paradoxer Weise steht dafür der ohnmächtige Gott am Kreuz, der gerade darin seine Macht gezeigt hat, dass er es sich leisten kann bei den Armen und Ärmsten zu sein. Und er ermächtigt diejenigen, die ihm nachfolgen in seinem Namen Gutes zu tun. Also lasst uns das tun und nicht aufgeben!
Zu Gier Macht Krieg sagen wir nein! Und mit all unserer Kraft stellen wir dem entgegen: Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.
Es gilt das gesprochene Wort.
Dorothee Sauer, Pfarrerin
Valerie Baumgartner
Auch ich begrüße Sie alle hier,
Mein Name ist Valerie Baumgartner. Ich bin Studentin an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg.
Kinder sind mir sehr wichtig. Sie sind unsere Zukunft und sie sind sehr wertvoll.
Deshalb macht es mich besonders traurig, aber auch wütend, wenn ich immer wieder lesen muss, wie viele Kinder leben und leiden müssen. Wie zum Beispiel Murhula aus dem Kongo:
„Murhula war neun Jahre alt, als sich sein Leben für immer änderte. An einem Tag, der wie jeder andere begann, drangen Milizen in seine Schule ein und verschleppten ihn und seine Mitschüler in den Wald, wo sie die Jungen als Soldaten trainierten. Murhula lernte zu töten, zu foltern, zu vergewaltigen. Rund 30 000 Kinder wurden im Kongo zu Soldaten gemacht, um in dem blutigen Bürgerkrieg um politische und ethnische Macht sowie Bodenschätze mitzukämpfen. In diesem Krieg starben 4 Millionen Menschen.“
Der Kongo ist weit weg. Was geht uns das an? Wir haben doch unsere eigenen Probleme: die Finanzkrise, Rettungsschirme, Spritpreise, Betreuungsgeld.... Wir leben im Wohlstand und jammern auf hohem Niveau, während in anderen Ländern schon eine Schale Reis Luxus bedeutet.
...der Bericht von dem Jungen geht weiter:
„Murhula, der heute 25 ist und 9 lange Jahre für verschiedene Milizen gekämpft hat, hat begonnen, sich ein neues Leben aufzubauen. Eine Organisation in Bukavu im Kongo hilft ihm dabei. Er lernt Gitarrenbau, in der Hoffnung, eines Tages sein eigenes Geschäft zu eröffnen. Auch eine Familie hofft er zu gründen. »Ich möchte meine Vergangenheit hinter mir lassen«, sagt er, wohl wissend, dass er noch einen langen Weg vor sich hat.“
Ist damit alles vorbei? Ist das jetzt alles längst Vergangenheit? Bin ich beruhigt? Nein!!!
Denn der Großteil der ehemaligen Kindersoldaten bekommt solch eine Unterstützung nicht. Nach ihrer Demobilisierung müssen sie sich alleine durchschlagen. Sie sind hilflos, verloren und heimatlos.
Schlimm genug ist, dass es überhaupt Kriege gibt. Die schwächsten und unschuldigsten Opfer von Kriegen sind Kinder. Kein Kind dieser Welt hat jemals einen Krieg begonnen und doch sterben jeden Tag zahlreiche Kinder durch Kriege.
Krieg zerstört Leben. Krieg traumatisiert. Krieg macht Angst. Krieg erzeugt Hass, Wut und noch mehr Gewalt.
Krieg zerstört Häuser. Krieg macht Millionen von Kindern heimatlos.
Krieg zerstört Familien und Krieg missbraucht Kinder. Krieg zerstört Kindheit.
Kein Kind darf zur Arbeit gezwungen werden und kein Kind darf für etwas benutzt werden, was ihm schadet!
Alle Kinder haben das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf Schutz vor Gewalt. Und in Zeiten des Krieges haben sie das Recht darauf, vor den Kriegsgefahren geschützt zu werden.
Diese Rechte stehen in der UN-Kinderrechtskonvention, die fast alle Staaten der Erde unterzeichnet haben. Leider sieht das in der Realität ganz anders aus!
Im Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention ist festgehalten, dass Minderjährige nicht im Krieg eingesetzt werden dürfen. Und doch gibt es Tausende, Hunderttausende Kindersoldaten. Unvorstellbar ist es, dass ein Kind statt einem Kuscheltier ein Gewehr in der Hand hält. Und doch ist es so.
Wir führen in Deutschland gerade keinen Krieg und wir haben auch die UN- Kinderrechtskonvention unterschrieben. Was gehen uns dann die Kindersoldaten in Afrika oder Asien an? Sie sind weit weg und doch haben sie etwas mit uns zu tun. Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure, insbesondere von „Kleinen und Leichten Waffen“. Damit sind nicht etwa Schreckschusspistolen oder Luftgewehre gemeint, sondern Sturmgewehre, wie die Kalaschnikow oder das G3 von Heckler&Koch, Maschinenpistolen und Maschinengewehre. Laut UNICEF werden mit diesen sogenannten Kleinwaffen mehr Menschen getötet, als durch alle anderen Waffen. Und Kleinwaffen sind kinderleicht zu bedienen.
Wir tragen Verantwortung für die ganze Welt: Wir spannen Rettungsschirme auf für „notleidende Banken“, für unseren Euro und für verschuldete Staaten. Das alles ist uns Hunderte Milliarden wert.
Doch für die Erhöhung des viel zu niedrigen Entwicklungshilfeetats fehlt uns das Geld?
Was sind uns die Kinder wert, die in Not sind, die auf der Flucht sind, die im Krieg leiden, oder gezwungen werden im Krieg zu kämpfen?
Wir tragen die Verantwortung für alle Kinder dieser Welt.
Wir stehen hier, um gegen Gier, Macht und Krieg ein Zeichen zu setzen.
Wir stehen hier, um zu zeigen, dass Kriege unsere Welt nicht beherrschen dürfen, dass Krieg uns nicht beherrschen darf.
Wir stehen hier, um ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen gegen die Verletzung der Menschen- und Kinderrechte weltweit.
Ein Zeichen gegen die skrupellose Vernichtung von Leben.
Wir stehen hier für das Leben.
Wir stehen hier, für eine Welt, in der die Würde des Menschen nicht mit Füßen getreten wird.
Wir stehen hier, für eine Welt mit mehr Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden!



